Schwanberg
Schwanberg in Steiermark.
Burgstall Schwanberg, Bezirk Deutschlandsberg, Marktgemeinde Bad Schwanberg
Fortifikationen: Rondelle & Kurtine
Das heutige, gegen Ende des 16. Jahrhunderts erbaute Schloss Schwanberg, befindet sich auf der zweithöchsten Terrasse des Josefiberges, einem Ausläufer der Koralpe, über dem gleichnamigen Markt. Der Standort der mittelalterlichen Burg befand sich allerdings aus naheliegenden Gründen auf der östlich anschließenden höchsten Geländestufe in einer Spornlage, dessen Plateau als Flur Tanzboden bezeichnet wird.
Die Reste der alten Burg wurden wiederentdeckt, als im Jahre 2004 auf diesem Plateau für das seinerzeit im Schloss untergebrachte Landespflegeheim der KAGes ein Wasserhochbehälter errichtet werden sollte. Dieser wurde nie errichtet und später das Landespflegeheim nach Skandalen 2015 geschlossen. Doch hatte die 2004 als Notgrabung begonnene archäologische Untersuchung im Verlauf der folgenden Jahre nicht nur die Grundmauern der Kernburg, sondern auch eine bemerkenswerte Fortifikation des späten 15. Jahrhunderts zutage gebracht.
Als Georg Mätthäus Vischer Ende des 17. Jahrhunderts seinen Stich von Schwanberg publizierte, war die alte Burg als (fast) vollständig abgetragen zu bezeichnen.
Die archäologische Untersuchung durch ASIST wurde mittlerweile abgeschlossen und das Gelände für Interessierte touristisch erschlossen.
Die weitgehend rechteckige Anlage der Kernburg befand sich auf dem Plateau, welche vor der hochmittelalterlichen Errichtung planiert und möglicherweise an den Rändern abgegraben worden war. Auf der westlichen, südlichen und östlichen Seite ist noch der große Graben zu erkennen, welcher das Plateau unterhalb desselben umschlossen hatte. Der ehemalige Zugang befand sich vermutlich auf der Ostseite, wo eine Öffnung in der Mauer besteht und heute seitlich davon eine etwas herausgeschobene Aufböschung zu finden ist.
Die erwähnten Fortifikationen bzw. deren Grundmauern wurden auf der Nordseite der Anlage in Form zweier Rondelle und einer zwischen ihnen befindlichen starken Mauer auf der Nordseite der Anlage freigelegt. Diese Kurtine befindet sich rund 5,5 m von der alten Ringmauer hangabwärts abgesetzt und verfügt über eine Stärke von 3,9 m.
Das größere der beiden Rondelle wurde damals an der Nordwest-Ecke errichtet und somit zentral zu der dortigen potentiellen Angriffsseite, wo sich heute das Schloß mit seinen Nebengebäuden befindet. Das Rondell an der Nordostseite war deutlich kleiner dimensioniert und schien damals die Funktion besessen zu haben, den ehemaligen, mutmaßlich an der Ostseite situierten Zugang abzudecken.
Beide Bauwerke wurden als fast geschlossene Schalentürme ausgeführt. Das größere Rondell weist eine nach innen gerichtete Öffnung von nur 3,20 m, das kleinere von 3,80 m Breite auf. Die Durchmesser der Innenräume in den Untergeschossen beträgt 5,80 m bzw. 5,00 m, die der Mauerstärke 4,40 bzw. 3,80 m. Die Rondelle waren demnach dazu geeignet, in ihrer Zeitstellung einem Kanonenbeschuss standzuhalten. (Vor allem, wenn die beiden unteren Geschosse der Rondelle mit Erde aufgefüllt gewesen wären, was heute allerdings kaum nachweisbar sein wird).
Unklar bleibt die ehemals mögliche Existenz einer Zwingermauer, welche im Norden durch den hier angezeigten Neubau ersetzt worden sein könnte. Zwingerbefestigungen, welche im Spätmittelalter auf den potentiellen Angriffsseiten üblich waren, wurden bislang nicht festgestellt. Allerdings wurde unserem Wissen nach auch nie konkret danach gesucht. Eine Geländekante vor der ehemaligen Ringmauer auf der Südseite blieb unangetastet.
Ebenso unklar bleibt die Anbindung der Rondelle an den vorhanden gewesenen Strukturen. Von beiden Geschütztürmen verlief die neue Kurtine nach Süden, konnte aber nach etwa 12 Metern nicht mehr weiter verfolgt werden. Selbst bei einer Möglichkeit, dass ein weiterer Ausbau der Fortifikationen geplant, aber nie fertig gestellt worden sein könnte, sollte, ja, musste der Raum geschlossen gewesen sein, die Flankierungs-Kurtine eine Anbindung besessen haben. Zu denken wäre in diesem Fall an eine ältere Zwingermauer. (Überreste von weiteren Eckrondellen konnten nicht festgestellt werden).
Erfasst wurde leider auch nicht konkret die ehemalige Zugangssituation bzw. deren Sicherungsanlagen. Eine Öffnung in der Grundmauer auf der Ostseite der Kernburg deutet auf eine ehemalige Toranlage, doch wurde die zwischen dieser und dem Nordost-Rondell befindliche, auffällig herausgeschobene Aufböschung nicht untersucht. Hierbei kann es sich um den Rest einer zur Torsicherung errichteten Befestigung handeln.
Das Aussehen der Burg Schwanberg Mitte des 15. Jahrhunderts wurde noch nicht erfasst. Das Ausmaß der Umrüstung der Wehranlagen, soweit geschehen, um sich den Erfordernissen des Kanonenzeitalters anzupassen, kann auch hinsichtlich Schwanberg nicht beantwortet werden. Wir können hier nur auf auffällige Strukturen hinweisen, die einer genauen Untersuchung bedürfen.
Ausgangspunkt dieser Überlegung ist das große Rondell, an dem sich an der nordwestlichen Seite ein dreistufiges, herausspringendes Mauerwerk erhalten hat, welches sich auch in den oberen Lagen befunden haben könnte. Offenbar hatte man damals beim Bau die Möglichkeit in Betracht gezogen, das Rondell an dieser Stelle mit einer weiteren Mauer zu verzahnen, welche allerdings dann nie errichtet wurde.
In der Verlängerung einer möglicherweise ehemals angedachten Mauer findet sich nach rund 30 m das Zentrum einer aufgeböschten Fläche.
Die Situierung dieser aufgeböschten Fläche an der strategisch wichtigsten Örtlichkeit lässt hier den Überrest einer ehemaligen „Bastei“ in Erde-Holz-Konstruktion vermuten, welche seit der Mitte des 15. Jahrhunderts aufgekommen waren. Das Gelände wurde in der Vergangenheit verändert, der westliche und südwestliche Bereich bei der Aufschüttung umgeformt und somit ehemalige Strukturen zerstört, die Aufböschung selbst weist aber an den nördlichen und westlichen Rändern noch schwache Bearbeitungsspuren (eine in die Böschung hineingetriebene, grabenähnliche Einmuldung) sowie auf der südwestlichen Seite eine bogenförmige Einmuldung auf.
Leider wurde auch dieser Bereich nicht in die archäologische Untersuchung miteinbezogen, so dass ein diesbezüglich erstellter Nachweis vorerst ausbleibt. Die LIDAR-Aufnahme deutet außerdem weitere Strukturen an, welche uns über die Ausbaustufe einer Burg des 15. Jahrhunderts berichten könnten. Bei den im Boden befindlichen Konturen nordöstlich des Nordost-Rondells könnte es sich ebenfalls um geringe Reste einer daselbst hinausgeschobenen Befestigung handeln, quasi als Pendant zur Nordwest-Ecke. Südlich der Ringmauer könnte eine dort unterhalb des Abhangs ausgemachte Kontur bei dem dort errichteten Wall ebenfalls auf eine kleine, eher feldmäßig erschaffene Fortifikation hindeuten.
In der Literatur wird die Errichtung der Rondelle samt Kurtine in das späte 15. Jahrhundert gesetzt, was der Richtigkeit entsprechen dürfte. Das noch vorhandene Mauerwerk besteht aus lagerhaft angeordneten Gneisplatten. Im Jahre 1525 werden die Türme anlässlich einer Visitation der baufälligen Burg durch eine Kommission der niederösterreichischen Hofkammer erwähnt.
Es bleibt das Bedürfnis, hier zu einem konkreteren befund zu gelangen, um den fortifikatorischen Ausbau der Burg innerhalb einer Reihe von kriegerischen Ereignissen besser einordnen und ggf. auch den Bauherren verorten zu können. Bodenfunde wie beispielsweise Munitionsreste bzw. Projektile könnten mit bestimmten baulichen Strukturen in einen Kontext gesetzt werden, um sich einer Zeitstellung zumindest anzunähern.
Laut Dr. Bernhard Schrettle von ASIST wurden diesbezüglich verschiedene Funde geborgen – Pfeilspitzen, Armbrustbolzen, Kugeln, aber bislang noch nicht bearbeitet (Stand 2025). Vor allem wurden verschiedene Bereiche nicht systemathisch abgesucht.
Wann genau die beiden Rondelle letztlich errichtet wurden, lässt sich derzeit nicht eruieren. Das Schreiben aus dem Jahre 1525 deutet außerdem an, dass Bauarbeiten an zwei Türmen begonnen worden waren, aber bis dahin keine Fertigstellung erfolgt war. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die alte Burg schließlich abgetragen und eine Geländestufe tiefer das neue Schloss errichtet, dessen Fertigstellung 1581 erfolgte.
Die in der Publikation „Archäologie der Burg Schwanberg“ dargestellte virtuelle Rekonstruktion der Anlage im 15. Jahrhundert, einem Projekt der HTL Kaindorf a. d. Sulm aus dem Jahr 2019, halten wir jedenfalls für äußerst gewagt.
Text: Rüdiger Rohde (2025)
Fotos, Drohnenfotos: Rüdiger Rohde (2025/26)
Vermessung/Vermessungsdaten: Günther Lazarus (2025)
Mitarbeit: Dieter Schelle (2025)