Deutschlandsberg
Deutschlandsberg in Steiermark
Burg Deutschlandsberg, Bezirk Deutschlandsberg, Stadtgemeinde Deutschlandberg, Katastralgemeinde Burgegg
Fortifikation: möglicher ehemaliger Kanonenturm, mögliche ehemalige "Bastei"
Die Burg Deutschlandsberg (früher: Landsberg) befindet sich auf einem in das Laßnitztal übergehenden Ausläufer der Koralpe. Die Kernburg ist direkt oberhalb der Laßnitz in felsiger Spornlage situiert. Spätere Ausbauten ab Ende des 13. Jahrhunderts vergrößerten den Baukomplex und schufen im Osten eine räumlich großzügige Vorburg, deren Ende eine natürliche Felserhebung markiert. An dieser Stelle wurde ein massiver Rundturm errichtet, welcher den Zugang zur Burg wie auch die potentielle Angriffsseite zu sichern hatte.
Im Streit um die Neubesetzung des Erzbistums Salzburg zwischen dem Erzbischof Bernhard von Rohr und Kaiser Friedrich III. suchte und fand der Kirchenfürst 1479 mit dem Ungarnkönig Matthias „Corvinus“ Hunyadi einen Protector seiner Interessen und öffnete diesem nach Abschluss eines Vertrages seine Burgen in Kärnten und in der Steiermark. Der König von Ungarn verlegte daraufhin Truppen in diese Burgen, was weitere Konflikte samt militärischen Auseinandersetzungen zur Folge hatte. Auch die Burg Landsberg erhielt zu dieser Zeit eine ungarische Besatzung.
Doch wie hatte sich die Burg in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts dargestellt? Inwieweit hatte sich die Wehranlage baulich vor allem auf der östlichen Angriffsseite den damaligen Erfordernissen hinsichtlich Feuerwaffen und Belagerungsartillerie angepasst?
Wir wissen es nicht, da sich entsprechende bauliche Strukturen oberflächlich nicht erhalten haben. Selbst die auf der östlichen Seite der Kernburg befindliche Vorburg hat sich – ausgenommen der große Rundturm – nicht erhalten. Die vorhandenen Mauern gehen bereits auf die Zeit der (späten) Renaissance zurück. Zwischen 1557 und 1570 sollen die Gebäudetrakte zwischen der Kernburg und dem Rundturm errichtet worden sein, 1629 wiederum ist zwischen diesen beiden Plätzen nur von einem als Getreibespeicher genutzten, eingeschossigen Gebäude die Rede.
So wenig wir über das Aussehen der Vorburg im 15. Jahrhundert wissen, gilt dies erst recht für den ehemaligen Zugangsbereich der Anlage. Wir können nur spekulieren, dass damals vor der Burg Sicherungen in Form von Gräben, Erdwerken und Palisaden existiert haben könnten. Oder auch ein dem Tor zur Vorburg vorgelagertem „Bollwerk“, um den direkten Beschuss der Toranlage zu verhindern. Dem frontal zur Zugangsseite gestellten ersten Tor der Burg Landsberg wäre dies durchaus zu empfehlen gewesen.
Leider haben sich weder eine mögliche Vorbefestigung noch der tiefe Graben erhalten. Heute befindet sich auf dem Areal ein asphaltierter Parkplatz.
Bei dem Rundturm auf dem Felskopf handelt es sich um das zentrale Wehrelement. Selbst kaum angreifbar, sicherte dieser in beherrschender Lage das unterhalb liegende Tor sowie das Vorfeld. Die Frage, ob dieser Turm im 15. Jahrhundert um eine Geschützebene erweitert worden war, lässt sich heute baulich nicht mehr nachvollziehen. Der Turm wurde 1875 etwa zur Hälfte abgetragen und 1958 wieder aufgebaut. Die noch sichtbare Baufuge zeigt die Grenze zwischen Alt- und Neubau deutlich an.
Der Stich von Georg Mattäus Vischer zeigt den Rundturm Ende des 17. Jahrhunderts mit einem barockisiertem Obergeschoss und Dach. Ein für Kanonen eingerichtetes Geschoss ist hier nicht kenntlich. Immerhin hat seinerzeit noch der tiefe Graben existiert.
Das am Fuße des Rundturmes befindliche Plateau, offenbar das Resultat eines oben abgeschliffenen und an den Rändern aufgemauerten Felsens, eignet sich perfekt für die Anlage einer Bastei. Ob sich dort im 15. Jahrhundert eine solche befunden hatte, kann aber ebenfalls ohne archäologische Untersuchung nicht beantwortet werden.
(1993 konnten bei einer Grabung beim Rundturm – es wurden Leitungen verlegt – einige Mauerreste aus dem 13. Jahrhundert festgestellt werden, doch erwies sich der Grabungsschnitt als viel zu klein, um eine Interpretation zuzulassen).
Der Rundturm war in seiner Höhe notwendig, um den nordöstlich in rund 220 m Entfernung befindlichen Hügel bestreichen zu können. Bei einer Belagerung der Burg wäre für die Angreifer eine Besetzung dieses Hügels (im Volksmund „Tanzboden“ – wie in Schwanberg – genannt) zwingend notwendig gewesen.
Auf diesem Hügel findet sich ein Erdwerk, dessen Kernwerk von mehreren Gräben und Wällen umschlossen wurde. Die Forschung geht davon aus, dass sich hier ehemals eine kleine Turmburg befunden haben soll. Besiedelt wurde dieser Platz nach archäologischen Erkenntnissen aber bereits seit der jüngeren Eisenzeit. Weitere Funde zeigen eine Nutzung im 14. und 15. Jahrhundert auf.
Von Interesse ist der Umstand, dass es sich bei diesem Hügel um den einzigen Platz von taktischer Bedeutung handelt, welcher sich vor der Burg befindet. Denn von dort aus ließ sich der Zugang und das Vorfeld kontrollieren. Aus strategischer Sicht hätte die Besetzung dieser Position seitens der Burgbesatzung in Kriegszeiten eine Notwendigkeit besessen, um Gegner von der Burg fern zu halten, um Zeit zu gewinnen und um zu verhindern, dass diese Höhe für feindliche Artillerie genutzt werden konnte.
Aus Sicht eines Angreifers muss die Besetzung des Hügels notwenig gewesen sein, um den Zugangsbereich zur Burg zu sperren und gleichzeitig eine erhöhte und somit effektive Positionen für eigene Geschütze zu erhalten.
Um die Burg Landsberg wurde in der Vergangenheit gekämpft. Zahlreiche Munitionsfunde auch aus ungestörten Fundlagen, zumeist aus Armbrüsten verschossene Bolzenpfeile des 14. und 15. Jahrhunderts, zeigen dies auf. Unserer Ansicht nach sollte vor einer eigentlichen Belagerung zuerst um den Hügel gerungen worden sein.
Deswegen ist die Erkenntnis der Archäologen, dass das dortige Erdwerk im 14. und 15. Jahrhundert eine weitere Nutzung erfahren hatte, kaum überraschend. Es ist naheliegend, dass es in Krisenzeiten als Vorwerk genutzt wurde. Ebenso naheliegend ist die damalige Adaptierung der Anlage als Belagerungswerk. Auf der südwestlichen, der Burg zugewandten Seite lassen sich – mit gebotener Vorsicht – Strukturen beobachten, welche auf bauliche Ergänzungen deuten könnten. Auffällig ist hier ein „verdickter“ Wallabschnitt, aber auch eine herausgehobene, runde, planierte Fläche, wie sie für den Standort einer Kanone typisch sind.
Eine ehemalige Belagerungsstellung fand sich bei einer Begehung auf einer tieferen Geländestufe, wo der Ausläufer des Hügels in Richtung Burg nach einer Einsenkung zu einem erhöhten, felsigen Bereich führt. Ein heute verflachter, aber deutlich sichtbarer Graben hatte diesen Felskopf auf deren Zugangsseite gesichert.
Auf der Seite zur Burg befindet sich noch der Rest einer wallartigen Aufschüttung. Diese kann auch an den Seiten existiert haben, aber zur Burg hin war diese nachvollziehbar weitaus stärker ausgeführt.
Eine Datierung ist ohne archäologischen Maßnahmen nicht möglich. Plausibel ist nur der Umstand, dass diese Belagerungsstellung nur überlebensfähig gewesen sein kann, wenn sich das Erdwerk auf dem Hügel in eigener Hand befunden hatte – in der Hand des Angreifers.
Abschließend sei noch einmal darauf hingewiesen, dass (dokumentierte) Bodenfunde und Munitionsfunde in den genannten Arealen weitere Auskünfte über ein Geschehen geben könnten und ggf. eine zeitliche Einordnung zulassen. In diesem Sinne soll auch dieser Text einige Aspekte vermitteln und zu weiteren Untersuchungen in Deutschlandsberg anregen.
Die hier geäußerten Überlegungen finden sich nicht nicht in der Publikation „Archäologie der Burg der Landsberg“ (Bernhard Schrettle, Florian Mauther, 2020), welche aber für jeden Interessierten dank ihrer Fülle an Informationen dringend empfohlen wird.