Laa an der Thaya

Laa an der Thaya in Niederösterreich

Burg Laa, Bezirk Mistelbach, Stadtgemeinde Laa an der Thaya

Fortifikation: Geschützturm

Die recht überschaubare Burg Laa befindet sich in der nordöstlichen Ecke der gleichnamigen Stadt und bildete im späteren Mittelalter einen Teil der ehemaligen, heute noch in Resten vorhandenen Stadtbefestigung. Die weitgehend regelmäßig, viereckige Anlage weist auf drei Seiten eine randständige Bebauung auf.

Abbildung 1: Burg Laa, Luftaufnahme. (Amt der NÖ Landesregierung, BEV).

Zwei Türme unterstreichen neben den zinnenbekrönten Mauern einen wehrhaften Charakter. Der ältere, rechteckige Turmbau ist an der nordöstlichen Ecke situiert.

Abbildung 2: Gemäuer der Ostseite mit dem etwas herausspringenden, eckigen NO-Turm.

Der zweite, jüngere Turm, findet sich an der südwestlichen Ecke der Anlage, unmittelbar neben dem Zugang in den Burghof.

Laa - Abbildung 3, SW-Turm
Abbildung 3: Der Südwest-Turm von Süden her gesehen.
Laa - Abbildung 4, Tor zum Burghof
Abbildung 4: Der Zugang zum Burghof neben dem SW-Turm.

In früherer Zeit war die Befestigung etwas umfangreicher gewesen. Die Burg hatte eine Zwingerbefestigung besessen; Reste derer konnten 2013 mittels geophysikalischer Prospektion auf der Westseite festgestellt werden. Vor dem heutigen Zugang in die Burg befand sich ein äußerer Torbau (1856 abgetragen), dessen Fundamente sich ebenfalls im Boden nachweisen lassen, und an der Südwestecke des Zwingers ein niederer runder Turm. Ein heute verschwundener breiter Wassergraben sicherte die Anlage auf der Süd- und Westseite der Stadt, im Osten hatte diese Funktion der sog. Thayamühlbach inne.

Während weitere der Burg vorgeschobene Baulichkeiten im nordöstlichen, äußeren Bereich unklar sind, scheinen somit spätmittelalterliche fortifikatorische Maßnahmen im Südwesten der Burg fassbarer.

Abbildung 5: Laa, Kupferstich nach Georg Matthäus Vischer, 1672.

Auf dem von Vischer 1672 publizierten Kupferstich von Laa ist deutlich vor dem Südwest-Turm ein niederer Turmbau zu erkennen. Da er rundlich wirkt, könnte es sich um den Zwingerturm handeln, doch würde dann der Torbau fehlen. Umgekehrt könnte es sich auch um den Torbau handeln, da rundliche und eckige Strukturen bei Vischer manchmal vertauscht wurden.

Der Südwest-Turm ist auf dem Kupferstich ohne den auffälligen Rücksprung des oberen Teils dargestellt, wo sich auf dem so geschaffenen Gesims und zahlreichen Kragsteinen die umlaufende Wehrgalerie befunden hatte. Diese Wehrgalerie erscheint bei Vischer etwas abstrakt als ein oben ausgezacktes, relativ breites Band.

Der dreiviertel-runde, hufeisenförmige SW-Turm verfügt hinten zum Hof, wo sich der erhöhte Zugang befindet, über einen geraden Abschluss.

Laa - Abbildung 6, Rückseite SW-Turm
Abbildung 6: Der SW-Turm vom Hof aus gesehen. Zwei nebeneinander befindliche Zugänge - mit unterschiedlichen, spätgotischen Portalen – bilden ein Kuriosum in der Architektur. Vermutlich ist nur ein Portal als "original" anzusprechen, das andere mit Spolien später eingesetzt.
Laa - Abbildung 7, SW-Turm Seite
Abbildung 7: Der SW-Turm von Osten her gesehen, von wo aus seine architektonische Gliederung deutlich wird.

Der Durchmesser des Turmes, in welchem sich fünf Geschosse finden, beträgt über 10 m, seine Höhe über 26 m. Grundriss, Bautypologie und sowie das bei den Kragsteinen sichtbare unverputzte, lagerhafte, ausgezwickelte Mauerwerk deuten auf die Errichtung in der zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Abbildung 8: SW-Turm, Mauerwerk im Detail.

Eine in Erwägung gezogene Errichtung nach 1500 wird hier nicht in Betracht gezogen, zumal uns die Errichtung eines im Volksmund gerne als „Butterfass-Turm“ benannten Bauwerks in dieser Zeitstellung (bislang) unbekannt ist.

Laa - Abbildung 9, SW-Turm 2
Abbildung 9: Der Südwestturm aus südwestlicher Richtung.

Das Innere wie auch das Äußeres des SW-Turmes hatten einige Umgestaltungen erfahren, so dass heute oberflächlich die wehrtechnisch funktionale Geschützplattform in seiner Ursprünglichkeit nicht mehr kenntlich ist. Die sichtbaren Maulscharten sind bauhistorisch der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zuzuordnen und heute vermauert. Diese zeigen die Existenz zweier ehemaliger, übereinander befindlicher Kanonengeschosse auf, doch sind die Räumlichkeiten im Turm umgestaltet und „entmilitarisiert“.

Bemerkenswert ist weniger der Umstand, dass dieser Geschützturm beim Zugangbereich errichtet wurde, sondern die Tatsache, dass er sich gleichzeitig an der einzigen Ecke der Burg befindet, welche ausschließlich gegen die Stadt gewandt ist.

 

Text/Fotos: Rüdiger Rohde.

Kupferstich: Georg Matthäus Vischer, Topographia Archiducatus Austriae Inferioris Modernae 1672, V.O.M.B., Nr. 42.

 

Zu bauhistorischen Untersuchungen siehe:

Klaus Locker; Burg Laa an der Thaya / NÖ, Archäologisch-Geophysikalische Prospektion: Endbericht, Nov. 2013. ARCHEO PROSPECTIONS, ZENTRALANSTALT FUR METEOROLOGIE UND GEODYNAMIK.

Oliver Fries, Lisa-Maria Gerstenbauer und Ronald Woldron; Fundberichte aus Österreich, Band 55 (2016), 339-342; KG Laa an der Thaya, SG Laa an der Thaya, Stadtburg.

Gerhard Reichhalter, Thomas Kühtreiner, Karin Kühtreiber; Burgen Weinviertel (Wien 2005), S. 242ff (Laa an der Thaya).